Wovon ich noch erzählen wollte ...

01.08.2021 - Seiffner Spielzeug - 
Bauernmöbel für Puppenkinder - Teil 3

Aller guten Dinge sind drei...

Ach herrje, nun fange ich noch einmal mit der Postkarte an. Ich weiss nämlich jetzt aus welcher Werkstatt diese kleinen Puppen kommen. Sie wurden von der Kunsthandwerkerin Katharina Charlotte Rehm Wagner zwischen 1930 und 1972 erschaffen. Über 40 Jahre wirkte Frau Rehm Wagner in Grünhainichen. Sie fertigte Märchenfiguren, Trachtenpuppen sowie Puppen für die Puppenstube. Damit wurde sie weit über die Grenzen Sachsens bekannt. Heute kommen diese kleinen Puppen und Figuren aus der Werkstatt von Annedore Krebs. Wie Frau Krebs selbst auf Ihrer Webseite erzählt, hat sie als Kind Frau Rehm Wagner noch persönlich in ihrer Werkstatt bei der Fertigung der Puppen zugesehen. Nun ja, über den Hersteller der Möbel kann ich Ihnen leider immer noch keine Auskunft geben.

Wenn man sich längere Zeit mit einem Objekt beschäftigt, bekommt man einen Blick dafür. Für die Form, für die Garnierung, eben für das Ganze. So entdeckte und identifizierte ich auch sogleich dieses Angebot, als es im großen Onlineauktionshaus erschien.

Die Möbel wurden günstig angeboten, außer mir gab es keinen Interessenten. Schon bald hatte ich sie auf meinem Tisch stehen. Natürlich musste ich sofort die Postkarte nachstellen. In Ermangelung der kleinen Katharina Charlotte Rehm Wagner Puppen stellte ich eine ältere 8 cm Lotte Sievers-Hahn Puppe in das Stübchen. Oh ja, ich finde, sie macht sich sehr gut dort.

Nach einem „Probe stehen“ bestellte ich bei dem Stubenbauer meines Vertrauens - Miniwelt Holzner - ein passendes Gehäuse. In der Wartezeit suchte ich eine Tapete aus. Sie sollte schon etwas Besonderes sein. Ich entschied mich für diese zauberhafte Tapete im Landhaus-Style. Da ich nur einen schmalen Streifen hatte, kreierte ich für das obere Wandstück eine Bordüre mit farblich passendem Querstreifen.

Schon in der Bibel steht: 

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.  

Das gilt natürlich auch für Puppenhausbewohner. So bekam die kleine „Lotte“ den Loisel als Partner,  er ist unverkennbar ebenfalls aus dem Hause Sievers-Hahn.

Mehr Bewohner sollten eigentlich nicht einziehen, und doch - als ich eine kleine Annedore Krebs Puppe entdeckte und mich spontan in sie verliebte, zog das „Dorle“ als Dauerbesucherin ins Stübchen.

Die Möbel sind sauber und absolut stabil verarbeitet. Die Garnierung ist schön. Ein wenig desillusionierend wirken die Möbel auf der Rückseite. Die Stühle und die Bank sind nur von der Vorderseite ansehbar. An den Rückseiten wurde die Farbe eingespart. Irgendwie schade.

Die zauberhafte Bettwäsche aus der Wiege von Rosi gefiel mir so gut, dass ich sie auch für diese Wiege wählte. Bei diesem Wiegenvergleich erkennt man die unterschiedlichen Farben und die etwas andere Garnierung der Möbel ganz deutlich.

Wer ein Holzbaby sucht, der kann an den süßen Babys von Annedore Krebs nicht vorbei gehen. Frau Krebs bietet neben den 4-fach gegliederten Babys auch zwei Versionen eines Babys im Schlafsack an - da gab es dann kein langes überlegen - ich kaufte es sofort. Natürlich gibt es auch von Lotte Sievers-Hahn ganz süße Babys, doch sind sie für die Wiege zu groß.

Das schwarze Kätzchen auf dem Bücherbord ist ein Kantenhocker von Miniwelt Holzner. Es ist natürlich neueren Datums, aber ich liebe Kantenhocker sehr und konnte nicht widerstehen. Als Buchstützen nahm ich kleine Teddybären aus Resin. Eine sehr schöne Lösung, da die Bären ganz gerade Rücken haben. Die Wandblumenvase stammt aus den 50er-Jahren. Ich habe so eine in der Bauernstube meiner Kindheit und als ich vor ein paar Jahren bei einer Geschäftsauflösung gleich mehrere Vasen entdeckte, habe ich sie gekauft. Die Blumen sind aus Velourseide. Ich stecke immer Knetgummi in meine Vasen und da hinein die Blumenstiele, - so stehen sie immer so, wie ich es mir wünsche.

Mein Mann hat das Stübchen mit zwei LED Lampen beleuchtet und zusätzlich hängt noch eine leuchtende Seiffener Hängelampe dort.

An der Rückwand hängt mittig eine Wanduhr aus den 30er-Jahren von Dora Kuhn, rechts daneben ein landwirtschaftliches Gemälde (na gut, es ist ein Druck) im gegossenen Bronzerahmen, links eine beinahe echte „Daguerreotypie“ von Hitty.

Man könnte Hitty als die Mutter aller kleinen Holzpuppen bezeichnen. Für diejenigen, denen Hitty vielleicht kein Begriff ist, in der Ausgabe 15.09.2018 der Tortula habe ich Ihnen zum ersten Mal von Hitty erzählt. Inzwischen ziert eine eigene Hitty meine Sammlung - ich habe sie Hitty-Rose genannt. Ich werde Ihnen diese Stube in einer der nächsten Ausgaben vorstellen.

Das Kätzchen auf der Kommode ist von „Kunstgewerbliche Schnitzereien Emil Helbig“. Gedacht ist es ursprünglich für den Helbig Hochzeitszug, zum Glück wird es auch solo verkauft. Ich liebe die Helbig Katzen und es springen einige der älteren Katzen durch meine Stuben. Diese Kleine ist natürlich durch ihre Größe etwas ganz Besonderes.
Links daneben ist ein ebenfalls geschnitzter „Scotty“. Von Frau Bettina Bergmann von Kunstgewerbliche Schnitzereien Emil Helbig erhielt ich den Hinweis (vielen Dank dafür), dass es sich bei dem Scotty wohl um einen Hund aus den 40er-Jahren aus der Produktion von Rhönkunst handelt, aber einen Nachweis dafür habe ich noch nicht.

Zusammen mit Scotty kam Anni in die Stube. Auch sie ist eine Besucherin die nicht wieder gegangen ist. Sie ist eine Krebspuppe aus der aktuellen Produktion. Ich finde ihr Kleid mit den kleinen Hütchen so zauberhaft. Ihre Haare hat sie zu einem braven Pferdeschwanz gebunden.

Eine weitere schöne Miniatur aus dem Erzgebirge ist dieser Hängekranz. Er hat vier Kerzen, ein Vögelchen, einen Tannenbaum, einen Glückspilz und einen Stern. Er kommt von Christian Ulbricht und war als Baumbehang gedacht, - aber für mich ist er ein wirklich tolles Schmuckstück in der Puppenstube.

Ja, und nun ist sie fertig eingerichtet. Wenn ich nur wüsste, aus welcher Werkstatt diese Möbel kommen.

Noch ein Nachtrag:

Nach Erscheinen des ersten Artikels über diese kleinen Möbel machte mich meine Freundin Angelika auf eine Entdeckung aufmerksam. In dem Buch „Kleine heile Welt“ - eine Kulturgeschichte der Puppenstube von R. Müller-Krumnach, Edition Leipzig (1992) werden auf Seite 137 diese Möbel - Foto von Constantin Beyer - gezeigt. In einer Doppelstube mit der Unterschrift: 

Puppenstube, Erzgebirge, 1978,
Modell des Betriebs Holzspielwaren VERO,
Olbernhau.

Von Herrn Beyer sind auch die wundervollen Fotos im Kalender „Historische Puppenstuben“ im Rhino Verlag in Ilmenau. In dieser Stube stehen Möbel, wie ich sie in meinem „Doppeldecker“ habe. Die Farbe, die Garnierung und die kleine Halterung für die Teller auf der Kommode sind identisch. Doch da gibt es eine Diskrepanz zwischen diesem Buch und meinen Postkarten. Die älteste Postkarte wurde zwischen dem 24. Juli 1948 und dem 31. Juli 1964 gedruckt. Denn nur während dieser Zeit gab es in der DDR die Währung Deutsche Mark (DM). Nun ja, und VERO war keine Werkstatt, sondern ein Zusammenschluss. Es bleibt also weiter die Frage offen, wer hat diese Möbel gebaut - und das vor 1978? 

Ich muss also weiter suchen, - vielleicht erhalte ich ja von Ihnen liebe Leserin, lieber Leser, einen Hinweis, der mir weiter helfen wird.

Text: Sigi Ulbrich - www.tortula.de
Fotos wenn nicht anders genannt: GMUwebSign

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