Rund um den Puppenherd
Text und Fotos: Stefanie Ludwig

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Hauswirtschaftliches Spielzeug

Erfreulicherweise gibt es in einer sich stetig verändernden Welt auch Dinge, die sich gleich bleiben - und zwar nicht nur über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte hinweg, sondern sogar über die Jahrtausende. 

Schon die Kleinkinder im alten Ägypten oder im antiken Griechenland riefen ihren Müttern zu: „auch, auch!“, was hieß „Ich will auch im Schüsselchen rühren, auch den Boden fegen, auch das schmutzige Tuch auf den Stein am Bachrand schlagen!“ 

Und die Erwachsenen, entzückt von der Aufmerksamkeit ihres Sprösslings und vom Wunsch beseelt, es mit einer solchen häuslichen Beschäftigung zu belehren, gaben ihm fürs erste gerne das kleinste Tellerchen und den kleinsten Löffel zum Hantieren und fertigten ihm später eigenes hauswirtschaftliches Spielzeug an oder kauften es auf dem Markt. 


Foto1

Foto 1:
In der Hitze des Sommers - oder: Einkochen im Puppenhaushalt.
  • Erntezeit, Einmachzeit! Das Hummel-Puppenmädchen (Engel-Puppen/Rödental) steht am Herd (70er-Jahre-Nachbau eines alten Modells, Hersteller unbekannt) und rührt eifrig in einem Topf (Durchmesser: 7cm) mit dem beliebten Gänsemotiv (Münder-Email/Pohle). Im Durchschlag auf dem gekachelten Fußboden warten schon die nächsten gewaschenen Holz-Früchte (Habermaaß/Bad Rodach). Und jetzt schleppt der Knabe noch frischgepflückte Kirschen herbei! Keramikgefäße: Töpferei Lösel/Nürnberg-Eibach; Hocker: Spanien-Import 

In Museumsvitrinen sehen wir kleine tönerne Gerätschaften aus der Antike, sehen üppig ausgestattete Puppenhäuser - Lehrspielzeug für zukünftige wohlhabende Hausfrauen - , sehen elektrisch betriebene Herde oder Keramik-Kaffeekannen samt passendem Filter. Und wie steht es mit unserer unmittelbaren Gegenwart? Vor mir liegt die September-Ausgabe der Fachzeitschrift „das spielzeug“, die seit mehr als hundert Jahren den Spielwaren-Einzelhandel informiert. Unter den Neuheiten-Berichten entdecke ich Staubsauger und Wasch- maschine („mit Licht- und Sound-Funktion“), aber auch ein „17-teiliges Espressoservice“ (The Toy Company/ Hongkong). Über Gegenwart und nähere Zukunft hauswirtschaftlichen Spielzeugs brauchen wir also keine Sorgen zu machen!

Eines der „großen“ Spielzeugmuseen, dasjenige in Nürnberg, veranstaltet zur Zeit eine Ausstellung zu unserem Thema („Nur für Mädchen? Haushaltstechnik im Spielzeug“, läuft noch bis zum 16.10.2011). 

Einen kleinen virtuellen Rundgang durch eine Privatsammlung und durch Museen bilden die folgenden Fotos von altem und neuem Spielzeug „rund um den Puppenherd“. Sie sollen erfreuen und dazu anregen, eigene Bestände hervorzukramen oder neu zu arrangieren. Wo nicht ausdrücklich anders vermerkt, stammen alle Stücke aus den letzten Jahrzehnten. Hauswirtschaftliches Spielzeug fürs Puppenhaus wird „Tortula“ im kommenden Frühjahr präsentieren.

  • Für Kinderhände: Töpfe, Kanne und Schöpflöffel aus weißem Email mit Gänse-Dekor (Münder-Email/Pohle), dazu eine Gänse-Liesel mit Federvieh (Playmobil/Zirndorf)

  • Herd aus Weißblech und Messing von 1909 aus dem Hause Bing. Museum der Deutschen Spielzeugindustrie/Neustadt b.C.

  • Wie schwer ein solcher Kinderherd ist, läßt dieses Bild erkennen: Ingrid Schikora, der gute Geist des Museums, transportiert ihn auf diese Weise 
    (Aufnahme vom September 2005)
  • Am eigenen Herd: Die Heidi Ott-Puppe wurde ebenso wie der Herd (mit Ofenrohr 32cm), die kupfernen Backformen und die hölzerne Küchengarnitur von Bodo Hennig/Wildpoldsried angeboten. Porzellanlöffel und gestapelte Porzellanschüsseln mit Deckel: Konrad Arnold/Königsee i.Thür.

  • Auch so kann eine Kochstelle aussehen: dreibeiniger Herd aus Paraguay mit Topf und Deckel aus schwarzem Ton, dreifarbig bemalt, 8cm hoch
  • Freitags gibt es Fisch! In Zeiten, als das kirchliche Gebot noch ohne Ausnahme galt, gehörten spezielle Koch- und Servierutensilien zur Ausstattung einer „ordentlichen“ Küche - und natürlich auch für Puppenküchen, wie diese Weißblech-Servierplatte (10,2 cm) und Sülzen- oder Puddingform zeigen. Beides wurde dem Freilichtmuseum Hessenpark/Neu-Anspach geschenkt.

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