Schwibbogen - Lichterfreude aus dem Erzgebirge

von Stefanie Ludwig

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Teil 2 - Seite 2-2

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Und dann gibt es noch den „Schneeberger Schwibbogen“…

Selbst alteingesessene Sachsen sind sich nicht immer sicher, was nun als Schwarzenberger, was als Schneeberger Schwibbogen zu bezeichnen ist. Für weitere Verwirrung sorgen Namen wie „Original Seiffener Schwibbogen“, der mit Miniaturausgaben typisch Seiffener Spielzeugs ausgestattet ist und damit auch Spielzeugfreunde erfreut.

   

Der entscheidende Unterschied zwischen dem Schwarzen- berger, bzw. Schneeberger Schwibbogen und dem Seiffener ist, dass die ersten mehr oder minder zweidimensional sind, letzterer durch die gedrechselten und geschnitzten Figuren dreidimensional.

Angeregt durch die „Feierabendschau“ von 1937 begannen Künstler und Lehrer von Fachschulen, sich dem Thema „Schwibbogen“ zu widmen und sorgten damit für dessen Verbreitung ...

Abb. 07

   

... Ein nächster Schritt war die Einbeziehung Seiffener Ware, was möglicherweise zu Beginn der 80er Jahre geschah. Bergleute kommen zwar noch vor, treten aber in den Hintergrund

   

Zu DDR-Zeiten war die Nachfrage nach dieser Lichter- freude aus dem Erzgebirge groß, doch die Planwirtschaft konnte sie nicht befriedigen. 

Also suchte man nach Ausweichmöglichkeiten und fand sie u.a. in der Publikation von Vorlagen für Laubsäge- arbeiten, die z.B. von Heranwachsenden mit Feuereifer verwendet wurden. 

Auch Packungen mit vorbereitenden Einzelteilen wurden angeboten.

 

Abb. 08

   

Einen gewaltigen Innovationsschub brachte nach der Wiedervereinigung die Lasercut-Technik, die bei geringem Materialverbrauch (Sperrholz) immer reich- haltigere und üppigere Dekore ohne wesentliche Kosten- steigerung erlaubt. 

Ist das Programm in den Computer einmal von Hand eingegeben, so arbeitet der Automat von alleine.


Abb. 09

   

Abb. 10

Abb. 11

Abb. 12

Und heute? 

Verändert hat sich auch bei vielen Bögen die Silhouette durch das Hinzukommen eines Sockels unter das Basisbrett

Er soll der Höhe des Fensterrahmens entsprechen und dadurch verhindern, dass rechts und links die der Basis am nächsten platzierten Lichter außerhalb des Fensters nicht zu sehen sind. 

Der Lichterglanz wird erhöht, der Schwibbogen insgesamt größer.

Abb. 13

   

Zwei oder auch mehrere, kulissenartig hintereinander angebrachte in Lasercut-Technik gearbeitete Holzplatten erlauben eine indirekte Beleuchtung durch versetzt ange- brachte kleine Lämpchen. 

Das führt zu lebhaften, theaterartigen Effekten: kleine Gebäude, Plätze, Straßenzüge, Marktbuden, Menschen - lebhafte Szenen entstehen so und verführen das Auge, sich immer wieder in diese Miniaturwelt zu versenken.

Abb. 14 - durch Abb. 15 ersetzen -  Bild mit der Maus berühren

   

Schwarzenberger, Schneeberger, Seiffener Erzeugnis - der Schwibbogen aus dem Erzgebirge ist mit den Jahren bekannt und sehr beliebt geworden. Die Phantasie der kleinen und großen Hersteller gebiert eine Variante nach der anderen, die Kombination verschiedener Techniken wird immer gekonnter.

Bis in unsere Zeit ist die Grundidee der Schwibbogen geblieben: Licht und Freude in die dunkle Jahreszeit zu bringen. Mit Ausnahme der Miniaturausgaben für die Puppenstuben sind Schwibbogen kein Spielzeug, sondern traditioneller Advents- und Weihnachtsschmuck aus dem Erzgebirge.

Abb. 16

Text und Fotos: Stefanie Ludwig

Abb. 07
Schwibbogen mit gedrechselten Figuren. Die Einbeziehung ist sparsam, andere Modelle sind wesentlich üppiger ausgestattet, Seiffen, 1999

Abb. 08

Schwibbogen zum Selberbauen mit Bauanleitung in Originalverpackung. Holz, Holzspan, gesägt, gedrechselt, unbemalt. Olbernhau, ca. 1975. Museum für Sächsische Volkskunst.

Abb. 09 und
Abb. 10
wei Schwibbogen für die Puppenhaus-Familie. In Lasercut-Technik in den letzten Jahren hergestellt.
Abb. 11
„Wildfütterung“, Lasercut-Technik, 1999, Kunstgewerbe Taulin / Oberwiesenthal
Abb. 12

Ausschnitt aus dem Waldtier-Bogen.

Die Auswahl an Schwibbogen ist in Dresden, speziell zur Weihnachtszeit, überwältigend groß. Hier (Abb. 13 – Abb. 15) ein Blick in das Schaufenster eines Fachgeschäftes.

Abb. 13
Natürlich sind dreidimensionale Ansichten der Stadt selbst sehr beliebt. Markante Gebäude sind gut zu erkennen und die Sockel werden als Brücken gestaltet, z.B. als die Augustusbrücke.
Abb. 14
Greift ein altes Motiv auf: die Arbeit des Bergmannes unter Tage.
Abb. 15
Kombination aus Schwibbogen und dem Flügelrad einer Pyramide.
Abb. 16
Auch aus Plauener Spitze kann ein Schwibbogen gearbeitet werden.

Die Aufnahmen der Schwibbogen aus dem Museum für Sächsische Volkskunst wurden freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt
   

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